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Das leibhafte Spiel. Zur Anthropologie der Liturgie

Leibhaftes Spiel ... Selten wurde Liturgie im Blick auf spielerische Entfaltung der Leiblichkeit betrachtet. In Romano Guardinis Klassiker von 1918 "Vom Geist der Liturgie" geschieht aber genau dies; sein berühmtes Kapitel "Liturgie als Spiel" dient daher als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Denkbewegung: Kann Liturgie, auf ihren Grund hin betrachtet, "aufrichtend", lösend, heilend wirken? Zur Klärung dieses Gedankens wird die Unterscheidung getroffen, die das menschliche Leben in seinen vielgestaltigen Tätigkeiten durchzieht: die Unterscheidung von Zweck und Sinn im Tun. Im Zweck ruht das Tun nicht in sich selbst, sondern wird als Durchgang auf ein anderes Ziel hin getan: Lernen, um die Prüfung zu bestehen... Sinn aber läßt den Schwerpunkt des Tuns in ihm selbst aufleuchten: Lernen, weil es Freude macht...

Gerade die wesentlichen Vorgänge des Lebens sind zwecklos, aber sinnvoll. Und wie jedes wirkliche Kunstwerk verfolgt auch die Liturgie keinen "Zweck", jedenfalls nicht unmittelbar, sondern trägt Sinn in sich. Das ist auch der Zug, der die Schönheit der Liturgie begründet: Sie hat weder erzieherische noch absichtsvoll künstlerische Aufgaben; ihr tiefster Sinn ist einfach "Schau", und zwar Schau von Gottes Herrlichkeit (welche Leiden und Kampf einschließt). Es ist dieses wunderbar in sich Ruhende und den Blick Öffnende, das die Liturgie zur Quelle eines Ankommens im Sinn macht und über Verzweiflung hinausführt - bis in die leibliche Erfassung und schwingende Ruhe hinein.

15.30 - 16.30

Hanna Barbara Gerl-Falkovitz

Hanna Barbara Gerl-Falkovitz