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Schönheit der Liturgie - Schönheit der Seele

Die Schönheit gilt als eine der transzendentalen Eigenschaften Gottes, da sie in analoger Weise sowohl Ihm selbst als auch dem von ihm Geschaffenen zukommt. Schon die Begegnung mit rein irdischer „Schönheit“ ist daher für uns Menschen immer schon mittelbar eine Begegnung mit dem Göttlichen, das uns erheben, berauschen und sogar entrücken kann. Im Raum der christlichen Offenbarung begegnet nun Gott selbst dem Menschen in seiner überheller Herrlichkeit („kabod“). Und gerade dort, wo er seine Schönheit im Gegenteil ihrer selbst verendlicht, nämlich in der Hässlichkeit des am Kreuz leidenden Sohnes, leuchtet sie mit einer Intensität auf, die rein weltliche Ästhetik niemals erreichen kann. Nichts ist schöner als der am Kreuz Erhöhte („Wir haben seine Herrlichkeit geschaut!“) und nichts ist erhebender als die Anbetungsliturgie des grausam geschlachteten Lammes, dessen Inszenierung die Apokalypse schildert. Kirchliche Liturgie ist deshalb die höchste Form irdischer Schönheit, weil in ihren Gebärden, Ritualen, Klängen und Symbolen jener Raum vergegenwärtig wird, den Gott in seinem Heilshandeln eröffnet und für uns Menschen bewohnbar gemacht hat. Dort vermögen wir schon hier auf Erden der ewigen Schönheit zu begegnen. Das Bemühen um liturgische Ästhetik ist daher kein nebensächlicher Luxus kirchlichen Tuns, sondern vielmehr eine hochheilige Pflicht, damit Gott wirklich die Chance gegeben wird, in der Feier der Liturgie unsere Seele mit seiner Schönheit zu berühren.

10.30 - 11.30

Karl Wallner

Karl Wallner

 
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